FeG feiert Einweihung des neuen Gemeindehauses im Industriegebiet

30 March 2010

Wie konnte das sein? Er witterte gegen Gemeinden die sich im Industriegebiet platzieren, er provozierte mit Bemerkungen "man könne dort nur Maschinen evangelisieren" und brachte immer wieder das Thema auf den Punkt, wofür er nun seit Jahren kämpft: Christliche Gemeinden in Deutschland sollen eine Säule der Gesellschaft sein, auf die die Gesellschaft nicht verzichten will. Viele Gemeindeleitungsgremien fühlten sich von ihm angegriffen. Ist es so, dass Gemeinden in Industrieparks keine Chance haben Gesellschaftsrelevant zu sein? Was stört ihn wirklich an der Existenz christlicher Gemeinden in Industriegebieten? Ob auf dem Willow Creek Kongress oder in Gemeindeveranstaltungen - dieses Thema fandt bisher schon öfter Platz in seinen Vorträgen.

Ausgerechnet Ihn ludt die nun das 100 jährige Jubiläum feiernde FeG in Rodenbach als Hauptredner für den Einweihungsgottesdienst am 28.03.2010 ein. Die FeG Rodenbach kaufte vor einiger Zeit ein Gebäude in dem zu Fuß, vom Dorf aus, erreichbaren Industriegebiet. Es ist ein schönes Gebäude. Stilvoll eingerichtet. Am Eingangstürglas befindet sich ein "Herzlich willkommen" in mehreren unterschiedlichen Sprachen. Wer dieses Haus betritt wird freundlich begrüßt. Zur linken befindet sich eine Magnetwand hinter Tapeten, worauf Werbung für unterschiedliche Veranstaltungen gemacht wird. Der modern eingerichtete Gottesdienstraum gleicht einem Konferenzzentrum. Alles ist neu, kreativ dekoriert und einem modernen Einrichtungsstil angepasst.

Er, Johannes Reimer - was würde er dazu sagen? Würde seine kritische Haltung gegenüber vieler Gemeindeentwicklungen dieser Jahre auch hier kritische Worte finden? Es wurden Grußworte gesprochen, Hände geschüttelt und wertvolle Geschenke übergeben. Dann betritt Prof. Reimer die Bühne. Doch statt kritischen Bermerkungen gegenüber der Wahl eines Gemeindezentrums in einem Industriegebiet, kommt sein Anliegen zum Vorschein. "Es geht nicht darum, dass eine Gemeinde, per Definition, durch ihre Existenz, in einem industriellen Ballungsraum, keine gesellschaftsrelevante Funktionen einnehmen kann. Vielmehr ist es ein Versagen der Gemeinde, wenn sie sich in eine stillgelegte Industriehalle zurückzieht, um für sich alleine, abgeschottet von der umliegenden Gesellschaft, spirituell sein will". Und dann folgten Ideen und Vorschläge, wie die FeG Rodenbach eine Säule in Rodenbach werden könnte, die ausgebrannten Managern und Arbeitnehmern eine Stütze sein könnte: Was wäre, wenn die Menschen des Industrieparks bei der Gemeinde ihr Mittagessen erhalten würden? Was könnte daraus entstehen, wenn die Industriellen bei der Gemeinde Seminare zu Industrierelevanten Themen erhalten? Was wäre, wenn die Gemeinde anbieten würde, für die umliegend arbeitenden Menschen zu beten?

Eines wurde klar deutlich: Es geht um die Haltung und Liebe einer Gemeinde zur Welt. Diese kann eine Gemeinde durchaus auch haben, wenn sie mittendrin in einer Stadt platziert ist, einem Rotlichtmillieu, einem Erhlungsgebiet oder einem Industriegebiet. Doch in einem bleibt Prof. Reimer entschlossen: "Vor der Welt zu fliehen, hat nichts mit der missio dei zu tun, derer sich Christen, wenn sie sich als solche beschreiben, verschreiben!"

(Autor des Artikels: Peter Littau, geschrieben am 30.03.2010, Zitate, dem Verständnis von J. Reimers Aussagen Peter Littau gegenüber, frei vom Autor formuliert)

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